Blutkörperchen, Nieren, das zentrale Nervensystem. Nur diese drei brauchen Kohlenhydrate. In überschaubarer Menge, die selbst unsere Vorfahren bequem über kohlenhydratarmes Gemüse und Obst decken konnten. Kohlenhydrate sind auch das Muskelsuperbenzin. Und hier gab es ein Problem: wenn der Steinzeitmensch beim Jagen und Sammeln die wenig verfügbaren Kohlenhydrate in den Muckis verbruzzelt hätte, wäre für die kohlenhydratabhängigen Drei wenig übrig geblieben.

Aus genau dem Grund entwickelte sich die Insulinresistenz (bekannt als „Carnivore-Connection“): die Muskeln werden bei sehr geringer Kohlenhydratzufuhr insulinresistent, nehmen kaum noch Zucker aus dem Blut auf und stellen zu 100% auf die Fettverbrennung um. Der Zucker biegt somit sozusagen kurz vor den Muckis links ab und kommt den Drei zugute. So war es evolutionär beabsichtigt. Doch heute entwickelt sich diese ursprünglich nützliche Insulinresistenz zum gesundheitlichen Desaster…

Vom Steinzeitmensch zum Diabetiker Typ 2

Pizza, Pommes und Pralinen – die meisten verarbeiteten Produkte schütten im Vergleich zu Obst und insbesondere Gemüse unglaubliche Mengen Kohlenhydrate in den Körper. Die werden zu Glukose, also Zucker verdaut. Zu viel Zucker wirkt langfristig toxisch. Paradoxer Weise insbesondere auf genau die drei Kohlenhydratabhängigen: die Blutkörperchen verkleben, Nieren gehen kaputt, Nerven sterben ab. Um den vielen Zucker schnell aus dem Blut zu schaufeln, schüttet die Bauchspeicheldrüse hemmungslos das Speicherhormon Insulin in das Blut. Wie kleine Straßenkehrer fegt Insulin den Zucker in die Zellen: zunächst in die Leber (da passen ca. 80g Zucker rein – die ist immer gut gefüllt. Eine Art „Notlager“, das ungerne angezapft wird), zudem ca. 300g in die Muskeln (blöd, wenn man aufgrund Bewegungslegasthenie nicht mehr so viele davon hat). Der Rest wird in die Fettzellen gestopft. Und da ist Platz. Sehr viel Platz! Dorthin verschwindet dann die Zuckerflut.

„Du kummsch hier net rein!“

Dabei könnte der Zucker prima in den Muckis verbrannt werden. Wenn aber der in den Muskeln gespeicherte Zucker nicht immer wieder durch Bewegung verbraucht wird, machen die Muskeltürsteher (Rezeptoren) bei ständig erhöhtem Zuckerangebot die Schotten dicht: die wollen nicht noch mehr Zucker! Doch das Zeug ist ja gefährlich. Also schickt die Bauchspeicheldrüse panisch noch mehr Insulin-Straßenkehrer raus. So viele von denen überrollen die Muskeltürsteher und drücken den Zucker dort mit aller Gewalt hinein. Worauf die sich noch mehr verbarrikadieren – und als Antwort noch mehr Straßenkehrer ausgeschüttet werden. Ein Teufelskreis…

So kann es sein, dass ein Zuckertest beim Onkel Doktor tatsächlich viele Jahre noch recht normale Nüchernblutzuckerwerte anzeigt (aber nur deshalb, weil die Bauchspeicheldrüse die mehrfache Menge Insulin rauswirft – die arbeitet bis zur völligen Erschöpfung). Das Süßmäulchen freut sich über den normalen Zuckerwert und das Lob des halbgöttlichen Weißkittels.

Bauchspeicheldrüsen-Burnout!

Irgendwann resigniert der Straßenkehrer-Chef und liefert nur noch Häppchenweise Insulin aus. Jetzt ist es soweit: der Zucker im Blut steigt permanent an und vergiftet das Gewebe. Wenn nicht mit Hilfe der dankbaren Pharmaindustrie und ihren Tablettchen die Bauchspeicheldrüse zu nochmaliger Höchstleistung geprügelt werden würde. Bis der völlige Zusammenbruch folgt. Bauchspeicheldrüsen-Burnout! Dann kommt Rettung von außen per Pieks: Insulin wird per Spritze injiziert. Was die Muskeln dann noch resistenter macht. Verrückte Welt! Dabei wäre die Lösung einfach – oder zumindest logisch:

Lösungsansätze

Kohlenhydratbomben deutlich reduzieren! Wenn der Zucker (also die Kohlenhydrate… und ja: auch Vollkornnudeln/-reis) doch nicht mehr richtig in die Muskeln geparkt werden können, dann sollte er reduziert werden. Ein Anfang: Nudeln und Reis weg. Schmecken doch sowieso nur mit Soße! Dann beim Brot die Scheibe dünner schneiden und den eiweißreichen Belag (z.B. Frischkäse, Quark, Pute, Lachs) verdoppeln, verdreifachen. Statt Müsli zum Frühstück einen selbstgemachten Obstquark. Wenn weniger Kohlenhydrate angeliefert werden, werden die Muckis wieder neugierig. Die machen die Türen wieder einen Spalt auf und lassen den Zucker wieder rein.

Insbesondere dann, wenn du die Dinger auch mal beanspruchst. Jedes bisschen Bewegung verbraucht den im Muskel gespeicherten Zucker. Und wenn du auch mal intensiv trainierst, also ins Schwitzen kommst (wenn Wasser aus der Haut rauskommt, ist da nix kaputt!), dann fackelt das Papier dort regelrecht ab und die Muskeltürchen werden wieder sperrangelweit aufgerissen. Zumindest, wenn du das auch mal ein paar Wochen durchgezogen hast. Das wiederum entspannt die Bauchspeicheldrüse. Und die nimmt ihre Arbeit wieder mehr und mehr auf. Die Pharmas gucken dumm aus der Wäsche. Klar, dass es immer wieder Aktionen gegen solch einfache, logische Maßnahmen gibt?

Mehr Zuckerparkplatz

Noch ein Vorteil: wenn du mittels intensivem Muskeltraining deine Muskelspeicher vergrößerst, die Muskeln dichter, fester werden, hat da auch viel mehr Zucker Platz. Bis zu 500g. Das sind ein paar Portionen Kartoffeln! Die schwimmen dann nicht mehr als Blutglukose durch die Gegend, um deine Gesundheit zu ruinieren.

Auch wenn du oder eine dir nahestehende Person schon unter Diabetes Typ 2 leiden solltest: der Zug ist noch nicht abgefahren! Der steht noch im Bahnhof. Du musst nur einsteigen, dort zu den angebotenen Leckerlies mal „NEIN“ sagen und ein bisschen mehr rumhampeln.

Wenn du ein paar Ideen für kohlenhydratarme Rezepte brauchst… ich habe ne Menge gebastelt. Schau mal in mein Koch- und Rezeptbuch „Ich bin dann mal schlank“.