Ja, ich kann ihn hören, den Aufschrei. Die Fassungslosigkeit bezogen auf diese freche Aussage. Und ich verstehe es auch. Denn unser kohlenhydratsüchtiges Gehirn verteidigt selbstverständlich zusammen mit seinem Regierungssprecher (also der „inneren Stimme“) einen der mächtigsten Kohlenhydratlieferanten.

Nudelgerichte haben sich tief in unsere Esskultur gefräst. Schon früher hat es den körperlich hart arbeitenden Menschen billig gesättigt. Unsere Eltern haben uns auch regelmäßig den Energiespender meist in Form von Spaghetti mit Tomatensoße auf den Tisch des Hauses gezaubert. Natürlich verwöhnen wir auch heute unsere Kinder mit Nudelgerichten. Für Kinder ist das unproblematisch. Weil sie die Energie beim Tanzen, Turnen und Toben verbrennen. Doch was geschieht, wenn jahrzehntelanges Teigwarenfuttern unser Essprogramm so infiltriert hat, dass es nicht mehr wegzudenken ist, auch wenn wir uns als bewegungsarme Sitzriesen die massiv getankten Kalorien kaum mehr benötigen?

Teigwaren heißen Teigwaren, weil sie früher mal Teig waren
Nudelteig besteht hauptsächlich aus gepresstem Mehl. Weiß- oder Vollkornmehl. Eine gewöhnliche Portion aus 200g Nudeln (Trockengewicht) liefert ca. 140 Gramm Kohlenhydrate, das letztendlich als Glukose im Blut landet. Denn selbst aus dem am gröbsten gemahlenen Vollkornmehl wird nach der Verdauung letztendlich Glukose. „Einmal Spaghetti, bitte“ im Luigis Restaurant entspricht einer geballten Ladung Kohlenhydrate! Klar, dass uns das glukosegeflutete Hirn mit einem Schwall Glückshormone belohnt. Doch diese geballte Ladung Muskelbenzin wird leider nur wieder verbrannt, wenn das Auto vom Italiener einmal quer durch die Stadt nach Hause geschoben wird.

Ein kurzes Rechenbeispiel
200 Gramm Spaghetti entspricht ungefähr der Kohlenhydratmenge von eineinhalb Kilo Äpfeln (gut, die schmecken mit Tomatensoße nicht so lecker). Oder drei Kilo Karotten. Oder fast fünf Kilo Tomaten. Noch ein Hinweis zu Vollkornnudeln: Natürlich machen die länger satt, weil die enthaltenen Ballaststoffe langsamer verdaut werden. Aber auch Vollkornnudeln sind im Kohlenhydratgehalt immer noch fünf Kilo Tomaten „schwer“.

Nudel als Sportlernahrung? Nein Danke!
Es kommt oft vor, dass mir Hobbysportler erklären wollen, „man bräuchte doch vor/während und nach seiner Ausdauereinheit jede Menge Kohlenhydrate. Weil die Tour de France-Fahrer das auch so machen“. Tour de France. Genau. Wer täglich(!) 10.000 Kalorien auf dem Carbon-Esel verbrät, kann auch dreimal rechts ranfahren, um in einer Pizzeria eine doppelte Portion Spaghetti-Bolognese nachzutanken. Heute aber verweigern selbst Hochleistungssportler eine Kohlenhydratmast. Zumindest in der Vorbereitungs-/Trainingsphase. Der Organismus, wenn er kohlenhydratärmer als gewöhnlich ernährt wird, zehrt so beim Grundlagen-Ausdauertraining an den Fetternergietanks. Im Wettkampf hingegen wird der Kohlenhydrattank aufgrund des verbesserten Fettstoffwechsels geschont, hält somit länger für die entscheidenden Minuten oder gar Sekunden im Schlusssprint. Nudeln können dann zwischen Sieg und Misserfolg entscheiden.

Nudeln schmecken eben nicht
Die Nudel an und für sich ist ein ziemlich geschmackfreies Etwas, das schreibt dir ein Ex-Nudel-Junkie (der ich einmal war)! Probiere es selbst: iss das Zeug einmal absolut pur. Keine Gewürze, kein Öl, kein Salz, keine Soße. Ist das noch lecker? Da wird dir einleuchten, dass nicht die Nudeln die Geschmacksknospen massieren, sondern eher die Soße dazu. Warum also nicht massiv Kohlenhydrate einsparen, indem man die leckere Soße statt über das gepresste Mehl einfach über einen gewaltigen Berg Gemüse kippt? Eine Portion Nudeln mit fettarmer(!) Tomatensoße liefert sogar mehr Gesamtenergie als ein großer Berg gemischtes Gemüse mit einer ordentlichen Kelle fettreicher(!) Soße. Zudem spart man sich die Blutzuckerachterbahn und das bei vielen auftauchende anschließende Nudelkoma ein. Wäre das mal einen Versuch wert? Sei mutig.

FAZIT: Nudeln machen nicht per se dick! Genau so wenig übrigens wie ein Burger oder Pizza flauschiger machen. Die Menge macht`s! Aber wer zuviel Matsch am Köper hat, kann doch diesen Versuch mit dem “drunter tauschen” einmal wagen? Nudeln liefern nun mal ziemlich geschmacksneutral eine Menge Kalorien im Vergleich zum Grünzeug, über das die leckere Soße, die für die Nudeln vorgesehen waren, gekippt werden könnte. Zumal das Gemüse auch eine höhere Vitalstoffdichte als gepresstes (Weiss)Mehl hat. Guten Appetit.

Wenn du aus der Nudelhypnose erwachen willst, empfehle ich dir mein Koch- und Rezeptbuch „Ich bin dann mal schlank“. Garantiert nudelfrei! Und dennoch sättigend, lecker und schnell zubereitet. Es kann doch so einfach sein…