Vorweg möchte ich einen wichtigen Punkt klären, denn in der Diskussion um Fleisch als Nahrungsmittel wird vieles durcheinander gebracht. Da gibt es auf der einen Seite diese enormen Missstände in der Massentierhaltung. Hier ist nichts zu beschönigen, keine Frage! Aber wir reden an dieser Stelle primär um die Haltung der Tiere, nicht ums Fleisch. Tiere in Bio- und Freilandhaltung ohne Mast haben ein tierwürdiges Leben. Aber egal wie, eins bleibt und das ändert sich auch nicht mit der Art der Haltung: Tiere sterben, wenn man sie schlachtet. Lebende Tiere essen wir normalerweise nicht.

Tierisch brutal
Auch ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich in einer Doku sehe, wie ein Löwe eine Antilope bei lebendigem Leib anknabbert oder ein Hai eine kleine, süße Robbe zerfetzt. Und hast du schon mal beobachtet, wie eine Katze eine Maus mit Genuss zu Tode quält? Katzen sind ja süß, aber „vegane Katzen“ gibt es nicht. Ebenso sollten wir uns Menschen zugestehen, dass wir Omnivoren (Allesfresser) sind. Und dass Tierisches hier eben mit dazugehört.

Gene und Gewohnheiten bleiben die Bestimmer
Natürlich kann man sagen, dass der Mensch Vernunft besitzt und Kraft seines Verstands und seines Willens Entscheidungen treffen kann. Selbstverständlich. Aber in Bezug auf das Essen ist dies bekanntermaßen oft nicht so einfach. Ich schreibe und sage ja immer wieder, dass die Gene und insbesondere die Gewohnheiten unser Essprogramm steuern, weniger unser Verstand. Und das gilt auch für die Entscheidung zwischen „Fleisch“ oder „kein Fleisch“.

Alternativen sind für alle gut
Vegetarier und Veganer haben mit dazu beigetragen, dass Fleischesser ihre Fleischeslust hinterfragen. Das ist gut so. Es muss nicht jeden Tag Fleisch auf dem Teller liegen. Und wer seltener Fleisch kauft, der könnte sich qualitativ besseres leisten.
Aber auch vegetarisch gesund zu leben ist recht einfach. Milch und Eier sind auf dem Plan. Veganer sollten sich hingegen schon sehr gut auskennen, um sich keine Mangelerscheinungen anzufuttern. Kritisch sehe es allerdings, was an Vorstellungen jenseits der Veganern wartet…

Frutarier – die ganz schlauen Zeitgenossen!
Frutarier essen nur, was der Baum freiwillig hergibt. Selten fallen suizidale Schweine vom Baum. Also futtern Hardcore-Frutarier nur abgefallene Früchte. „Im Einklang mit der Natur“, wie sie überzeugt behaupten. Und das ist Blödsinn! Ein Baum wird bekanntlich nicht trächtig. Er verteilt die Vorstufe seiner Nachkommen süß verpackt als Kerne in seinen Früchten. Und er hat die Hoffnung, dass Tiere vorbeikommen und die Frucht inklusive Kerne komplett verputzen. Hast du schon mal eine Wildsau Kirschkerne ausspucken sehen? Nix da. Die schluckt die einfach mit. Und dann setzt sie irgendwo im Wald, auf der Wiese oder dem Feld ihren Haufen. Dort könnte dann ein neuer Kirschbaum wachsen. Deal erfüllt. Wer also dem Apfelbaum gegenüber fair bleiben möchte, sollte in Zukunft die Kerne mitfuttern und dann lieber in den Garten des Nachbarn … na ja.

Soja – die Eiweißlösung?
Eiweiß ist überlebensnotwenig. Pflanzen liefern im Vergleich meist nicht nur weniger, sondern auch biologisch nicht optimal verwertbares (weniger hochwertiges) Eiweiß als Fleisch. Soja ist eine Ausnahme und liefert zumindest viel pflanzliches Eiweiß. Und das soll die Lösung sein? Vorsicht ist geboten, denn so einfach funktioniert es nicht. Soja, wie viele andere Pflanzen auch, besitzen Abwehrstoffe, sogenannte „Antinutritiva“ gegen Fressfeinde. Bei Getreide sind es z. B. Lektine, die bei gesundheitsmotivierten Vollkorn-Frischlingen auch mal für einen schnellen Durchlauf sorgen. Die Sojapflanze ist geschickter: Sie beinhaltet Phytoöstrogene. Und die können Männer unfruchtbar machen. „Da haben die Fleischabstinenzler aber bald Nachwuchsprobleme“, mag der ein oder andere Fleischliebhaber witzeln. Aber hier gilt (wie immer): Die Menge macht‘s! Nicht verrückt machen lassen, bitte! Aber Soja auch nicht rund um die Uhr in den Himmel loben.

Den Bienen macht’s nichts aus
Es gibt sogar einige Menschen, denen ist die Produktion von Honig ein Dorn im Auge, weil die Bienen dafür ackern müssen. Nun, den Bienen ist es egal, ob sie Honig oder Zucker im Winter als Vorrat nutzen. Dem Imker aber nicht, denn der will wenigstens seinen Aufwand entschädigt werden durch den Verkauf von Honig. Einer Sache muss man sich nämlich auch bewusst sein: Wenn Imker nicht mehr an ihrer Arbeit verdienen, wird es weniger Bienenvölker geben und das resultiert einer geringeren Bestäubung der Vegetation. Ohne Bienen gibt’s dann auch kein Obst auf dem Teller. Also, einfach einen Ruck geben und wenn der Honig vom Imker aus der näheren Umgebung kommt, hast du gleich was Gutes für die heimische Pflanzenwelt getan und unterstützt nicht die traurigen Monokulturen, die den Bienen schwer zu schaffen machen.

Back to nature?
Seit Millionen Jahren läuft das immer gleiche Prozedere ab: Wenn Fleisch mal vorhanden war, dann richtig viel auf einmal. Und noch ein bisschen was in die kühle Höhle schleppen. Für den nächsten Tag. Und den darauf. Das Ganze aber nicht zu oft. Ansonsten aßen die Menschen alles, was die Natur hergab. So machen es die etwa 200 Völker, die noch so leben, wie vor Tausenden von Jahren. Professor Loren Cordain, der die weitverbreitete „Steinzeitdiät“ bekannt gemacht hat, untersuchte mehrere dieser Völker. Sein Fazit: Es gibt kein einziges „Urzeitvolk“, das rein vegetarisch oder gar vegan lebt. Und Zivilisationserkrankungen sind dort erheblich seltener.

Ich habe dieses Thema auch in meinem Buch „Essen erlaubt!“ erörtert. Genießt eurer Schnitzel vom glücklichen Schwein. Oder den Tofubratling (übrigens auch lecker!) – je nach Gusto. Ich gebe jetzt die Bühne frei für eure Meinungen und Diskussion. Bleibt fair! Bleibt gesund! Egal wie!