Bei Männern kommt es zur gesellschaftlichen Ächtung, wenn sie zu einem Fußball-Grillfest einen Salat mit Vogel, also Pute oder Hühnchen, mitbringen würden. Wer dann noch ein kastriertes Bier (alkoholfrei) mit Schraubverschluss auspackt, darf sich wahrscheinlich auch gleich ein rosa Trikot bzw. Tutu überstreifen. Dabei kann Fleischiges auch ohne Kaninchenfutter die Feinkostplauze im Zaum halten…

Nach dem Mampf ist vor dem Mampf.
Wie wäre es mit einem „Warmlaufen“? Bevor es zu den Kumpels in den Garten geht, sollte der Magen Zuhause mit Kalorienarmem gefüllt werden. Der Putensalat (oder vergleichbar Kalorienhomöopathisches) kann schon vor dem Spiel den Bauchraum füllen. Dann ist später beim gemeinsamen Happening weniger Platz im Bauch und es reicht auch mal ein kleiner Happen. Um diesen Gedanken überhaupt zuzulassen ist es gut, sich einmal bewusst zu machen, wie (teilweise) sinnfrei bei tollen Gesprächen mit den Futterfreunden überhaupt das Gegrillte genossen wird? Letztendlich bleibt die Völlerei doch eher ein Nebenschauplatz, so dass es sich gar nicht lohnt, während des Spiels und den Gesprächen sich den Platz im Mund mit Fettigem dauerzubelegen.

Mit Bier zum Tier!
Wenn Alkoholisches dazukommt, wird bei steigendem Promillegehalt zusätzlich die Fressbremse stillgelegt. Dann rauschen die Würstchen mit Kartoffelsalat mit noch höherer Geschwindigkeit in den Kalorienfriedhof hinterm Bauchnabel. Deswegen muss ja noch lange kein stilles Wasser das männliche Bierritual sabotieren. Aber halbe/halbe wäre ein fairer Ausgleich, ein Unentschieden. Ein Prosit auf die Freunde und den Fußball, ein Prosit auf die Gesundheit. Immerhin möchte man ja auch noch die EM 2060 ohne den sechsten Bypass und künstliche Hüftgelenke genießen? Die Mädels können den Aperol Spritz oder Hugo auch mal mit einem coolen Smoothie eintauschen. Frauen sind da irgendwie klüger, einfallsreicher und bewusster als wir Männer…

Knabberkram und anschließende Figurscham
Früher saßen Fred Feuerstein, Ötzi und seine Steinzeitkumpel um das Lagerfeuer und genossen so den Austausch und das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit. Gleiches erzeugen auch so genannte „Straßenfeger“ – wenn ein Großteil der Nation(en) zuhause vor der Glotze sitzt – wie die Fußball-Europameisterschaft: Wohlwissend, dass im gleichen Augenblick unzählige Menschen genau in das gleiche „mediale Lagerfeuer“ schauen hat das was von einem verbindenden Ritual. Ist es dann nicht surreal, dass wir bei so viel guten Emotionen auf billigsten Naschkram zugreifen, die wir meist ohne Sinn und Verstand ganz nebenbei in uns reinschaufeln, während da ein spannender Krimi mit 22 Hauptdarstellern auf einer Wiese läuft? Das hat kaum was mit „Genuss“ zu tun, sondern eher mit „Verfügbarkeit“. Nach dem Motto: Wenn da was Kalorisches steht, muss es weg.

Die Spielstrategie: Wie du zum Sieger im Figur-Spiel wirst
Wenn du es schaffst, dich schon vor dem Spiel bzw. dem Aufbruch zum gemeinsamen Fussball gucken zuhause ordentlich satt zu essen, zudem das Bier oder dem Hugo mit der gleichen Menge Wasser ausgleichst und bewusst mal nicht in die Knabberschachtel greifst und naschdement völlig unnötige Kalorien reinschaufelst, wirst du viel weniger Extrakalorien nach Hause tragen.

Dann haben an dem Abend (hoffentlich) zwei gewonnen: Die deutsche Nationalelf und du. Damit du nach dem Spiel nicht sagen musst: „Das Runde muss ins Eckige. Oder anders: Ich muss ins Bett!“.

Lasst die Spiele beginnen. Und uns gewinnen.